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„Diese Entwicklung sieht oder hört
man auch den gewählten Tempi an. Jungdirigenten agieren
im allgemeinen so ungestüm, daß die Musik nicht
richtig rüberkommt. Auch junge Komponisten - von älteren
ganz zu schweigen - wünschen sich ihre Musik oft in einem
getrageneren Tempo als ein junger Dirigent dazu Geduld aufbringt”.
Das
kann ich als Laie nachvollziehen. Als ich im Autoradio Sibelius'
Finlandia hörte - eine sinfonische Dichtung, die jeder
Finne kennt -, war das Tempo so stürmisch, daß mir
schwindelte. So dirigiert kein Finne die Finlandia, dachte ich.
Denkste. Es stellte sich heraus, daß es sich um eine ältere
Aufnahme mit dem schwedischen Rundfunk- Sinfonie-Orchester unter
Leitung des Finnen Esa-Pekka Salonen handelte. Der damals 27jährige
Salonen wurde 1985 als Generalmusikdirektor des Orchesters bestallt.
„Sowas
kann passieren und passiert noch immer. Beim Festkonzert zum
60. Geburtstag von Präsident Martti Ahtisaari dirigierte
Jukka-Pekka Saraste die obligate Finlandia. Die rauschte in
weniger als sieben Minuten vorbei. Das war meiner Meinung nach
eher eine Finlandietta als die Finlandia”.
„Die
Wahl des Tempos sagt über den Orchesterleiter viel aus.
Es gibt auch gegenteilige Beispiele. Einmal habe ich gehört,
wie Leonard Bernstein Mahler dirigierte. Die Musik schleppte
sich nur so dahin. Als ob er zu abgeschlafft wäre, das
Orchester hinter sich herzuziehen. Bernstein war damals wohl
nicht ganz in Hochform”. Erinnert sich Panula, der als
Interpret von Mahler- und Bruckner-Sinfonien viele Lorbeeren
geerntet hat.
Jorma
Panula mag jede Art guter Musik. Er hat selbst Opern und Musicals
komponiert, Volksmusik arrangiert und auch ein paar Schlager
geschrieben. „Wer über Tanzmusik redet, sollte auch
tanzen können. Ansonsten sind Walzer und Tangos viel zu
schnell. Oder nehmen wir Tschaikowskis Walzer. Damals trugen
die Damen lange Röcke, die Offiziere Stiefel und kiloschwere
Epauletten auf den Schultern. Getanzt wurde in großen
Ballsälen. Dies zwang zu einem gemächlichen Tempo.
Das sollte man nicht vergessen, wenn man das vom Komponisten
intendierte Tempo einhalten möchte. Auf der anderen Seite
steht der französische Musette-Walzer, der ein viel flotteres
Tempo vorlegt. Ein Tanzmusiker kennt sich in diesen Dingen oft
besser aus als ein Sinfoniendirigent.”
Ist
es für einen Dirigenten nützlich, wenn er selbst komponiert?
Auch Esa-Pekka Salonen komponiert.
„Ja,
und viele andere finnische Dirigenten wie Leif Segerstam auch.
Weitere Beispiele sind Mahler, Bernstein, und Richard Strauss.
Wenn man selbst komponiert, lernt man das Gleichgewicht zwischen
den Instrumenten des Orchesters richtig abzuschätzen. Komponisten
sind sich dessen stets bewußt, und das sollten auch Dirigenten
sein. Dadurch kann das Orchester genau das Kolorit treffen,
das der Komponist vorgegeben hat. Komponieren, und natürlich
auch Arrangieren, ist ungeheuer lehrreich für Dirigenten.”
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